Die unendlichen Möglichkeiten der Kunst

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Die Ausstellung der„Eyegenartigen Kunsttage“, die bereits im vierten Jahr in der Galerie Eyegenart stattfindet, ist wunderbar. Vereint sie doch alles, was die Kunst so verschieden, so lebendig, so vieldeutig, so anregend macht. Mehr als 100 Werke von 35 Künstlern kommen in dem kleinen Raum zusammen. Das lässt die Kunstbetrachtung gleichermaßen zur Belagerung und zum Fest der unendlichen Möglichkeiten werden. Hier ist es das große Gemälde einer surrealen Szenerie mit Nähmaschine, mit der Moritz Albert zum Träumen verführt. Dort sind es winzige abstrakte Sommersonnenlandschaften von Lene Enghusen, die spielerische Farblust und Poesie miteinander verbinden.

Es gibt eine Fotoserie zur Schönheit des Waldes, mit der Aryan Mirfendereski zugleich einen politischen Beitrag zu den Abholzungen im Hambacher Forst leisten will.

Mit weiteren Fotos thematisieren Kathrin Broden und Brokat das Geheimnis verlassener Häuser, Sabine Pichlau die schöne Abgründigkeit des Alltags und Künstlerin Susebee den Zauber des Ausdrucks-Tanzes. Altmeisterlich anmutende malerische Stillleben von Traudel Messerschmidt gehören ebenso zur Präsentation wie der zarte malerische Realismus, mit dem Judika Schön weibliche Anmut ins Bild bringt.

Anja Wülfings Porträt ihrer Tochter und Studien männlicher Erotik zeugen von stiller Menschenliebe, Hans Schenkers expressionistische Kompositionen von menschlicher Unruhe und Aufregung. Hans Abbings feiner Zeichenstrich fängt eine Geschichte von menschlicher Traurigkeit und Melancholie ein, Viola Isabella Stäglichs tänzerische Zeichnungen umkreisen den Erfahrungskomplex von Leidenschaft und Verletzlichkeit.

Neben allen Spielarten der traditionellen Malerei, Zeichenkunst und Fotografie kommt in der Ausstellung auch das Experiment nicht zu kurz. Spielerisch ausgetüftelt setzen Michael Haas, „Maruan.dotcom“ und Andre Böxkes das Polaroid-Foto in Szene. Es sind winzige Werke, die in der Fantasie ins Unermessliche wachsen können. Mit Experimentierlust sind auch die zeichnerischen Monotypien von Regina Maria Bußmann entstanden, in denen die Mythologie des Medusenkopfes und die Verrücktheiten postmoderner Identitätsverwirrungen ineinander verschlungen sind. Grazina Lesners Farbbewegungen zwischen Himmel und Erde stehen sinnbildlich für das Konzept der Eyegenartigen Kunsttage.

Künstlerische Bodenständigkeit und kreative Höhenflüge, gestalterische Verunsicherung und bildnerische Sinnsuche hängen so dicht beieinander, dass kein Zweifel an ihrer künstlerischen Beziehung besteht. Ein Ausstellungskonzept wie dieses überwindet künstlerische Gegensätze und programmatische Grabenkämpfe und zeigt, dass all die verschiedenen Ansätze einander auf ebenso wunderliche wie selbstverständliche Weise ergänzen können.

Galerie Eyegenart, Rothehausstraße 14, geöffnet Di-Fr 17-20 Uhr, bis Dienstag, 22. Februar

Quelle: ksta.de

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