Querdenkerin wirbt mit Polizisten fürs Nicht-Impfen

Eine Aktivistin aus dem Querdenken-Umfeld hat Bilder mit Polizeibeamten veröffentlicht, zeigen BR-Recherchen. In einem Video behauptet sie, die Polizisten würden sich nicht impfen lassen wollen und die Anliegen der Querdenken-Szene unterstützen.

„Es gibt noch Wunder meine Lieben“. Mit diesen Worten beginnt eine bekannte Akteurin aus dem Querdenken-Umfeld in München ihr Video. Aufgenommen hat sie das Video am vergangenen Mittwoch am Orleansplatz im Münchner Stadtteil Haidhausen. Dort fand unter dem Motto „Für ein Leben ohne Impfzwang“ eine Demonstration statt. Für die Versammlung wurde in einschlägigen Querdenken-Kanälen geworben. Außerdem wurde gefordert, den Bayerischen Landtag abzuberufen.

Polizisten loben angeblich Querdenken-Demonstration

Doch das „Wunder“, von dem die Aktivistin spricht, beinhaltet nicht die Demonstration. Im Umfeld der Versammlung soll sich folgendes zugetragen haben: „Wir werden heute begleitet von zwei Polizisten, wir sind schon beim Du“, sagt die Frau strahlend in die Kamera und nennt auch die angeblichen Vornamen der beiden Polizeibeamten. Zu sehen sind die Polizisten allerdings nicht. „Und diese beiden Polizisten erklärten mir heute, dass sie zum einen fürs Grundgesetzt stehen und zum anderen sich nicht impfen lassen werden, weil immer noch ein freier Wille herrscht“, behauptet die Aktivistin in dem Video. Zudem hätten die beiden Münchner Beamten ihr gegenüber geäußert, dass es gut sei, dass die Demonstranten vor Ort seien, weil es „so nicht weiter“ gehen könne.

Fotos mit Polizeibeamten als vermeintlicher Beweis

Als Beweis für die Behauptungen hat die Aktivistin auch mehrere Bilder mit den zwei Beamten geteilt. „Ich darf die Fotos online stellen“, freut sich die Frau, einer der beiden Beamten hätte ihr es demnach erlaubt. Sie kommentiert deren angebliche lobende Äußerungen der Querdenker gegenüber mit den Worten: „Es gibt noch normale Polizisten, die normal in der Birne sind, die was begreifen und einfach lesen und sich mit Statistiken beschäftigen. Wow ich bin stolz!“

Mehr als 71.000 Menschen sehen Video

Für die Anhängerinnen und Anhänger der Querdenken-Szene stellt ein solches – angebliches –Bekenntnis bayerischer Polizeibeamter natürlich einen Erfolg dar. Das Video hat die Aktivistin auf dem Messengerdienst Telegram hochgeladen. Bis zum Freitag haben mehr als 71.000 Menschen das Video und die Bilder von der Aktivistin mit den beiden Beamten gesehen.

Polizei prüft Vorfall nach BR-Anfrage

Durch eine BR-Anfrage hat auch das Polizeipräsidium München von dem Video Kenntnis. Weil der Vorfall zuvor noch nicht bekannt war, wird das Video derzeit noch geprüft, sagte ein Sprecher des Präsidiums dem BR. Fraglich ist, ob die Beamten sich tatsächlich in dieser Form der Aktivistin gegenüber geäußert haben. Denn in Chatgruppen der Szene werden immer wieder Verschwörungsmythen und Falschnachrichten weitergeleitet und verbreitet.

Beobachtung durch den Verfassungsschutz

Teile der „Querdenken“-Bewegung werden bereits seit dem Frühjahr bundesweit vom Verfassungsschutz beobachtet. Nach Einschätzung der Verfassungsschützer passen die als extremistisch eingeschätzten Teile der Bewegung in keine der bisherigen Schubladen: Deshalb wurde ein neuer Phänomenbereich mit der Bezeichnung „Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates“ geschaffen.

Auch der bayerische Verfassungsschutz beobachtet einen Teil der Querdenker-Szene. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) verwies im März dieses Jahres auf ein heterogenes Teilnehmerfeld bei den Demonstrationen.

Quelle: Bayrischer Rundfunk

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