Geflüchteter Karikaturist macht Punk im Düsseldorfer Zakk

Yahia Alselo macht Kunst, für die er in seiner Heimat mit dem Tod bestraft werden sollte. Am 15. März steht er gemeinsam mit Kinn auf der Bühne.

Seine Karikaturen hätten ihm beinahe das Leben gekostet. Vier Mal hat das Assad-Regime ihn wegen seiner politischen Aussagen versucht zu ermorden. 2008 ist der Syrer Yahia Alselo nach Deutschland geflüchtet, seit vier Jahren lebt er in Düsseldorf. Mit seiner Frau und seinen Kindern, die drei Jahre nach seiner Flucht nach gekommen sind. Einige Ausstellungen hat Silo, so sein Künstlername, seither schon gehabt. Mal zeigt er großformatige Bilder von Flucht und Migration, ein anderes Mal seine politischen Karikaturen.

Karikaturist sollte schon viermal ermordet werden

Bei Renatec, einem Beschäftigungs- und Qualifizierungsunternehmen der Diakonie Düsseldorf, lernte er vor zweieinhalb Jahren Helge Achenbach kennen. „Yahia ist mir sofort aufgefallen“, sagt Achenbach. Als offener, intelligenter und künstlerisch begabter Mensch.

Die Wege der beiden trennten sich nicht wieder. Achenbach selbst ist kein unbeschriebenes Blatt in Düsseldorf. Als Kunstberater betrog er einen Aldi-Erben, musste in Haft und ist seit 2018 schließlich auf freiem Fuß. Er gründete das Projekt „Kultur ohne Grenzen“, um politisch verfolgten und geflüchteten Künstlern zu helfen. „Als ich in Haft war, habe ich im Fernsehen gesehen, wie die Mitglieder der Band Pussy Riot verhaftet wurden, nur weil sie ihre Meinung sagten“, so Achenbach. An so vielen Orten der Erde gebe es Aggression gegen den freiheitlichen Geist. „Das hat quasi Hochkonjunktur“, so Achenbach verärgert.

Gemeinsam gegen den Strom schwimmen

Weil ihm dafür jegliches Verständnis fehlt, entstand die Idee das Projekt zu gründen. „Kultur ohne Grenzen“ ermöglicht es diesen Künstlern, die ihrer Meinung beraubt werden sollten, auf einem Bauernhof in Kaarst zu arbeiten. Einer davon ist Yahia Alselo, der inzwischen auch Workshops für Kinder und Jugendliche anbietet.

Yahia Alselo wird am Freitag, 15. März, bei einem Auftritt von Kinn im Zakk vor Ort Karikaturen zeichnen. Kinn ist keine Band, sondern ein Projekt. Zwei Mitglieder der ehemaligen Band Mean Time sind dabei sowie der Bassist von Hack Mack Jackson und Avantgardekünstler Hahn Solo. „Und einige Leute aus der Düsseldorfer Musikszene“, sagt Sänger Gerko Wolfsdorf. Musikalische Genres werden durchmischt. „Die Basis ist Punk“, so Wolfsdorf. Fernab vom Mainstream. „Wir schwimmen alle gegen den Strom“, so Wolfsdorf über den gemeinsam Nenner.

Mittendrin an diesem Abend des 15. März wird Yahia Alselo sein und direkt vor Ort malen. „Die Karikaturen werden verkauft“, so Achenbach, der übrigens auch kurz auf der Bühne stehen und Kinn zitieren wird. „Achenbach und ich kennen uns schon länger, haben bei Filmaufnahmen gesprochen“, sagt Gerko Wolfsdorf. So schnell die Szene im Kasten war, desto länger dauerten die Gespräche danach. Aus flüchtigen wurden konkrete Ideen. „Der Erlös unseres Konzerts kommt „Kultur ohne Grenzen“ zu Gute“, so Wolfsdorf. Konkret soll ein Projekt unterstützt werden, bei dem die Künstler mit einem Bus an Orte reisen werden, in der sie in Zukunft leben könnten.

Quelle: WDR

Beitragsbild: Facebook-Profil

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